Geschichte der Puppenhäuser
Die Geschichte der Miniaturen läßt sich bis in das alte Ägypten zurückverfolgen. Dort wurden Miniaturen den Toten als Grabbeigaben für ihr Dasein im Jenseits mitgegeben. Daß sie auch als Spielzeug verwendet wurden, kann man heute nur wegen der großen Menge an gefundenen Gegenständen vermuten.
Puppenhäuser, wie wir sie heute kennen, haben Ihren Ursprung in Deutschland. Nürnberg war schon früher ein internationales Handelszentrum, insbesondere für Spielzeug. Hier boten Handwerker und Volkskünstler aus der weiten Umgebung ihre Waren an, z. B. Glasarbeiten aus Thüringen, Holzspielzeug aus dem Erzgebirge usw.
Puppenhäuser waren allerdings zur damaligen Zeit kein Spielzeug, sondern wurden als Anschauungsobjekt für die Töchter reicher Leute hergestellt, damit diese daran die Haushaltsführung und den Umgang mit dem Personal lernen konnten. Außerdem haben Adlige gerne ihren Besitz in Miniatur nachbilden lassen, um diesen vorzeigen zu können.
Das älteste erwähnte Puppenhaus läßt sich auf das Jahr 1557 festlegen. Albrecht der V. von Bayern ließ es für seine Tochter bauen. Es war ein reich ausgestattetes Haus einer Prinzessin und wurde immer in der Schatzkammer verwahrt. Leider wurde es durch einen Brand zerstört und ist uns nur aus Schriften bekannt.
17. Jahrhundert: Die ältesten heute noch erhaltenen Puppenhäuser sind heute in Nürnberg im Nationalmuseum zu bewundern und stellen den Haushalt gutbürgerlicher Familien dar. Aus dem Jahre 1610 stammt ein Nürnberger Haus mit 3 Stockwerken. Daß dieses nicht für Kinder gedacht war, sieht man besonders gut an den darin befindlichen Wandmalereien, beispielsweise die Darstellung einer Nonne, die von einem Mönch verführt wird - auf einer weiteren Darstellung sieht man sie dann bei der Verrichtung der Buße. Auf das Jahr 1631 ist das Haus von Anna Köferlin zurückzuführen - hiervon sind leider auch nur noch Bilder vorhanden. Sie war eine Witwe, die außerdem früh ihre Kinder verloren hatte. Den Großteil ihres Privatbesitzes investierte sie in den Bau eines großen Hauses, das sie dann ausgestellt hat. Gegen ein kleines Entgelt konnten dann Mütter mit ihren Töchtern besichtigen, wie ein gut geordneter Haushalt funktioniert und die einzelnen Gegenstände zu gebrauchen sind. Die Herkunft des Stromerhauses (1639) ist unklar - es wurde nach seinem letzten Besitzer, dem Baron von Stromer benannt. Es zeigt die Einrichtung einer sehr vermögenden Familie und ist reich ausgestattet. Besonders die üppig ausgestattete Küche galt als Zeichen größten Reichtums.
|
|
Alte Küche aus dem 17. Jahrhundert | das älteste erhaltene Puppenhaus (ca. 1610) |
Ungefähr ab 1670 gab es dann auch in Holland die ersten Puppenhäuser in den Amsterdamer Herrscher- und Kaufmannshäusern. Typisch war dabei der Einbau in einen Kabinettschrank.
|
|
Schrankhaus von Petronella Oortmann | Kabinettschrank von Sara Ploos van Amstel |
Amsterdam war Ende des 17. Jahrhunderts eine reiche Hafenstadt, es gab exotische Dinge und unbekannte Materalien aus aller Herren Länder. Reiche Bürger und Kaufleute legten sich regelrechte Prunksammlungen zu. Auch holländische Handwerker und Künstler hatten diesen Markt entdeckt. Beispielsweise war dies für die damaligen Tischler gar nichts Ungewöhnliches: sie mußten ein Meisterstück in Miniatur herstellen zur Aufnahme in die Gilde (man ging davon aus, daß dies ja noch schwieriger ist als ein richtiges Möbelstück zu bauen). Oft war es ein Hobby sehr reicher Damen - sie legten sich eine Kunstsammlung an wie ihre Männer, jedoch eben in Miniatur.
Ganz anders war es um diese Zeit in England: Puppenhäuser waren hier eher für Kinder gedacht, diese durften aber nur manchmal und nur unter Aufsicht damit spielen. Bekannt ist hier das Haus von Anne Sharp aus dem Jahre 1691 - ein Geschenk der Patentante Queen Anne. Es wurde damit zwar gespielt, aber doch auch gleichzeitig die Haushaltsführung gelernt, was durch ihr Tagebuch überliefert wurde.
Puppenhaus von Anne Sharp (1691)
18. Jahrhundert: Erstmals wurden Puppenhäuser rein zum Vergnügen hergestellt. Am bekanntesten aus dieser Zeit ist die Fürstin von Arnstadt: Sie baute eine ganze Stadt namens "Mon Plaisier": 26 Häuser, 84 Zimmer und 411 Puppen. Diese Sammlung ist heute noch erhalten und im Schloßmuseum zu Arnstadt ausgestellt.
Hier einige Bilder aus dem Schloßmuseum:
|
|
|
Hofküche | Porzellankabinett | Musikalische Unterhaltung |
|
|
|
Visite | Katholische Kirche | Ursulinen |
|
|
Posthalterei | Apotheke |
In England wurden im 18. Jahrhundert Häuser als Kopien bestehender echter Häuser, meist mit Fassade und Treppenhaus, von Architekten oder berühmten Möbelbauern wie z. B. Thomas Chippendale gebaut.
In Holland entstanden weitere Schrankhäuser. Besonders bekannt ist der Kabinettschrank von Sarah Rothé Ploos von Amstel. SIe hat ausführliche Tagebücher über jede kleinste Kleinigkeit geführt.
19. Jahrhundert: Durch die Industrialierung wurden Puppenhäuser erschwinglich für mehr Leute, auch solche aus kleineren Verhältnissen. Dies hatte aber auch zur Folge, daß eher kleinere Stücke entstanden: einzelne Stuben, Küchen, Geschäfte, kleinere Häuser, zumeist als Spielzeug für die Kinder reicher Bürger. Diese Entwicklung vollzog sich sowohl in Holland als auch in England, aber vor allem in Deutschland. Die deutsche Spielzeugindustrie war dabei tonangebend. Durch das deutsche Dezimalsystem festigte sich der Maßstab 1:10 für diese "Spielhäuser". Ende des 19. Jahrhunderts lief auch in Amerika eine Massenproduktion von Puppenhäusern und Zubehör an. Überall gab es eine große Auswahl. Der Fortschritt hielt auch im Puppenhaus Einzug: fließendes Wasser, elektrisches Licht oder sogar ein Lift.
20. Jahrhundert: Anfang des Jahrhunderts entwickelte sich wieder das Interesse der Erwachsenen an Puppenhäusern. Besonders in England entstanden berühmte Häuser wie "Titanias Palace" - dies ist heute in Legoland ausgestellt. Vor allem aber war Queen Marys Puppenhaus ein echtes Prunkstück. Die gesamte englische Industrie wurde hierfür mobilisiert. Englische Künstler bildeten alles bis ins kleinste Detail nach. Nach drei Jahren Bauzeit wurde die riesige Anlage dann ausgestellt. Das Publikum war begeistert! Nicht zuletzt dadurch wurde das Puppenhaus als Erwachsenen-Hobby endgültig ausgelöst und setzte sich in alle englischsprachigen Länder fort. Durch das englische Maßsystem wurde hierfür aber der Maßstab 1 Zoll : 1 Fuß, also 1:12 verwendet.
Hier einige Bilder aus Colleen Moore´s "Fairy Castle":
|
|
Die äußere Fassade des "Fairy Castle", erbaut von 1928 bis 1935 | |
|
|
Die große Eingangshalle | Orgel in der Kapelle |
|
|
Speisezimmer - nach König Artus´Tafelrunde | Küche |

















